Schwangerschaft > Schwangerschaftskalender22. Schwangerschaftswoche: Jetzt nur noch das Baby im Kopf Sieglind Riedel In der 22. Schwangerschaftswoche, kurz 22. SSW, hört dein Baby schon mit: deine Stimme, Musik, das Gluckern in deinem Bauch. Es wiegt jetzt etwa 400 Gramm und legt jede Woche kräftig zu. Dein Bauch wölbt sich inzwischen über den Nabel hinaus, und vielleicht weckt dich nachts ein Krampf in der Wade. Wenn du dazu öfter etwas vergisst, bist du nicht allein: Bei vielen Schwangeren dreht sich im Kopf gerade fast alles ums Baby. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Schuhe aus, Füsse kreisen lassen: Das tut müden Beinen gut. Bild: fotostorm, Getty Images 22. Schwangerschaftswoche Die Hälfte der Schwangerschaft liegt hinter dir. Dein Baby wird jede Woche schwerer und hat noch viel Platz zum Turnen. Um diese Zeit steht der zweite Routine-Ultraschall an, falls er noch nicht gemacht ist. Gegen Wadenkrämpfe hilft Dehnen, und bist du sehr müde und blass, lässt du deine Eisenwerte prüfen. So entwickelt sich dein Baby in der 22. SSW In den kommenden Wochen geht es für dein Baby vor allem ums Wachsen. In der 22. SSW wiegt es etwa 400 Gramm und misst von Kopf bis Fuss rund 28 Zentimeter. Der Körper holt gegenüber dem Kopf auf: Arme und Beine werden länger, und die Proportionen gleichen immer mehr denen eines Neugeborenen.[1] Die Haut ist noch dünn, rötlich und runzlig, weil kaum Fett darunter liegt. Erste Fettreserven legt dein Baby in diesen Wochen zwar an. Die typischen Pausbacken und Speckfältchen bekommt es aber erst im letzten Schwangerschaftsdrittel. Bis dahin bedecken feiner Flaum, das Lanugo, und die weissliche Käseschmiere seine Haut und schützen sie vor dem Fruchtwasser. Die Augenlider bleiben noch einige Wochen geschlossen. Gut entwickelt ist dagegen das Gehör: Dein Baby reagiert auf Geräusche und kennt bald den Klang deiner Stimme. Auf der Zunge sitzen schon Geschmacksknospen, und im Kiefer liegen längst die Anlagen der Milchzähne. Im Gehirn knüpfen die Nervenzellen immer mehr Verbindungen untereinander, und das geht nach der Geburt noch lange weiter. Noch hat dein Baby viel Platz zum Strampeln und Drehen. Bild: Eraxion/iStock, Thinkstock Kindsbewegungen und Herztöne: Was du jetzt spürst und hörst Platz hat dein Baby noch reichlich. Es dreht sich, strampelt und boxt, und die meisten Frauen spüren das inzwischen deutlich. Beim ersten Kind kann es etwas länger dauern, bis du die Bewegungen sicher erkennst. Dein Partner braucht meist noch Geduld: Mit der Hand von aussen fühlen lassen sich die Tritte oft erst ein paar Wochen später. Manche Paare möchten den Herzschlag hören, indem sie das Ohr auf den Bauch legen. Das gelingt in dieser Zeit selten zuverlässig, und was man dabei hört, kann auch dein eigener Puls sein. Hört ihr nichts, sagt das nichts über dein Baby aus. Sicher hörbar werden die Herztöne mit dem kleinen Dopplergerät, das deine Hebamme oder Ärztin bei der Kontrolle auf den Bauch hält. Frühchen: Ab wann ist ein Baby lebensfähig? Am Ende der 22. SSW erreicht deine Schwangerschaft eine Grenze, die das Zivilstandsrecht zieht. Fachleute schreiben diesen Zeitpunkt als 22+0, das heisst 22 vollendete Wochen und 0 Tage. Kommt ein Kind ohne Lebenszeichen zur Welt, gilt es als Totgeburt, wenn es mindestens 500 Gramm wiegt oder die Schwangerschaft mindestens bis 22+0 gedauert hat. Eine Totgeburt wird beim Zivilstandsamt beurkundet, auf Wunsch der Eltern mit Namen. Wiegt das Kind weniger als 500 Gramm und kommt es vor 22+0 zur Welt, spricht das Gesetz von einer Fehlgeburt. Sie wird nicht ins Register eingetragen, du kannst sie aber dem Zivilstandsamt melden und dir eine Bestätigung ausstellen lassen. Ein Kind, das lebend geboren wird, wird dagegen immer beurkundet, ganz gleich, wie klein es ist.[2] Über die Überlebenschancen sagt diese Grenze nichts. In der Schweiz gilt ein Baby, das vor 23+0 geboren wird, als noch nicht lebensfähig. Es bekommt keine Intensivbehandlung, sondern eine palliative Begleitung: Es bleibt bei seinen Eltern, wird gewärmt und so gut wie möglich vor Leiden geschützt. Manche Länder ziehen diese Grenze eine Woche früher. Von den Kindern, die hier zwischen 2019 und 2023 mit 22 Wochen (22+0 bis 22+6) lebend zur Welt kamen, hat keines überlebt. Ab 23+0 entscheiden das Team und die Eltern gemeinsam, was für dieses Kind das Richtige ist. Danach steigen die Chancen mit jeder Woche deutlich. Von den Kindern, die in der Schweiz im selben Zeitraum mit 23 Wochen zur Welt kamen und eine Intensivbehandlung bekamen, überlebte mehr als die Hälfte, mit 24 Wochen gut zwei Drittel und mit 25 Wochen mehr als vier Fünftel. Zählt man alle lebend geborenen Kinder mit, auch die palliativ begleiteten, war es mit 23 Wochen gut ein Viertel. Droht die Geburt sehr früh, ist die Verlegung in ein spezialisiertes Perinatalzentrum ab 22+0 sinnvoll. Dort werden die Eltern ausführlich beraten, und die Aussichten für das Kind sind besser, wenn es dort zur Welt kommt.[3] Jede Woche im Bauch zählt jetzt besonders. Wird dein Bauch regelmässig hart, hast du ziehende Schmerzen wie Wehen, blutest du oder läuft Flüssigkeit aus der Scheide, fährst du sofort ins Spital. Mehr über Anzeichen und Ursachen liest du in unserem Artikel zur Frühgeburt. Dein Körper in der 22. SSW Deine Gebärmutter reicht jetzt bis über den Bauchnabel hinaus, und der Bauch wird richtig rund. Die Haut an Bauch und Brust spannt, und manche Frauen entdecken die ersten Schwangerschaftsstreifen. Auch Krampfadern können sich jetzt zeigen oder deutlicher werden. Sie sind lästig, aber meist harmlos. Es hilft, nicht lange zu stehen, die Beine öfter hochzulegen und bei Bedarf Stützstrümpfe zu tragen. Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft: Was hilft? Ein plötzlicher, schmerzhafter Krampf in der Wade, oft mitten in der Nacht: Das kennen bis zur Hälfte aller Schwangeren, vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel. Warum Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft so häufig sind, ist bis heute nicht geklärt.[4] Im Moment des Krampfs hilft Dehnen: Streck das Bein, zieh die Zehen zu dir heran und halte die Dehnung, bis der Muskel nachgibt. Danach tut es gut, die Wade zu massieren oder ein paar Schritte zu gehen. Tagsüber lohnt es sich, die Füsse öfter zu kreisen und die Beine zu bewegen. Und Magnesium? Dass ein Magnesiummangel die Krämpfe auslöst, ist nicht belegt. Ob Magnesiumpräparate sie seltener machen, haben Studien untersucht, mit widersprüchlichen Ergebnissen.[4] Möchtest du es versuchen, besprich das vorher mit deiner Hebamme, deiner Ärztin oder in der Apotheke. Weitere Tipps findest du im Artikel Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft. Müde und blass? An Eisenmangel denken Dein Blutvolumen nimmt in der Schwangerschaft stark zu, und dein Baby baut seine eigenen Eisenreserven auf. Kein Wunder, dass Eisenmangel so verbreitet ist: In der Schweiz haben bis zu ein Drittel der Schwangeren zu wenig Eisen, bei bis zu einer von zehn ist daraus eine Blutarmut geworden. Gemessen werden der Blutfarbstoff Hämoglobin und das Speichereisen Ferritin, zu Beginn der Schwangerschaft und nochmals mit 24 bis 28 Wochen. Bei einer Blutarmut durch Eisenmangel ist die Eisenmenge in Multivitaminpräparaten zu gering.[5] Bist du schon jetzt auffällig müde, blass oder schnell ausser Atem, musst du nicht bis zur nächsten Routinekontrolle warten. Sprich deine Ärztin oder Hebamme darauf an. Ob und wie viel Eisen du brauchst, zeigt die Blutuntersuchung. Kopf voller Baby: Vergesslich in der Schwangerschaft Schlüssel verlegt, Termin vergessen, mitten im Satz den Faden verloren? Viele Schwangere kennen das und nennen es halb im Scherz Schwangerschaftsdemenz. Mit einer echten Demenz hat das nichts zu tun, und es geht längst nicht allen so. Oft stecken kurze Nächte dahinter, und im Kopf ist gerade wenig Platz frei. Der Name will gefunden sein, und mit der Arbeit ist abzusprechen, wann dein Mutterschaftsurlaub beginnt. Dazu kommen Vorfreude und manchmal Sorgen, etwa vor einem Ultraschalltermin. Da rutscht Alltägliches leicht einmal durch. Was im Alltag hilft: Listen und Erinnerungen im Handy, feste Plätze für Schlüssel und Portemonnaie, und so viel Schlaf, wie es eben geht. Nimm es mit Humor, und nimm dir nicht zu viel vor. Woher die Vergesslichkeit kommt, erklärt unser Artikel zur Schwangerschaftsdemenz. Ultraschall in der 22. SSW: Organscreening und Herz In der normalen Schwangerschaft sind zwei Routine-Ultraschalle vorgesehen, der zweite zwischen 20+0 und 23+0, also rund um jetzt. Dabei beurteilt die Ärztin das Wachstum deines Babys und die Fruchtwassermenge und sucht nach schweren Fehlbildungen. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten, wenn eine Ärztin oder ein Arzt mit dem Fähigkeitsausweis für Schwangerschaftsultraschall die Untersuchung macht.[6] Ist dabei am Herzen etwas unklar, folgt eine genauere Ultraschalluntersuchung des Herzens, die fetale Echokardiografie. Sie ist unter anderem auch angezeigt, wenn in eurer Familie ein angeborener Herzfehler vorkommt, bei dir, beim Vater des Kindes oder bei einem Geschwister, wenn du Diabetes hast, wenn du in der Frühschwangerschaft Medikamente genommen hast, die dem Kind schaden können, oder wenn damals ein erhöhter Wert bei der Nackenfalte gemessen wurde. Die Untersuchung machen Spezialistinnen und Spezialisten, deine Ärztin überweist dich dafür. Zusätzliche Ultraschalluntersuchungen wie diese übernimmt die Krankenkasse, wenn es einen medizinischen Grund dafür gibt.[6] Was die einzelnen Messwerte und Befunde bedeuten, liest du im Artikel Ultraschall in der Schwangerschaft. Quellen Luzerner Kantonsspital LUKS: Schwangerschaftskalender: 22. Schwangerschaftswoche, abgerufen am 30.09.2026. Schweizerischer Bundesrat: Zivilstandsverordnung (ZStV), SR 211.112.2, Art. 9 und 9a, Stand 1. Juni 2025, abgerufen am 30.09.2026. Berger T. M. et al. für die Swiss Working Group on Perinatal Care of ELGANs: Swiss Recommendations for the Perinatal Care of Extremely Low Gestational Age Neonates, Acta Paediatrica 2025, abgerufen am 30.09.2026. Luo L. et al.: Interventions for leg cramps in pregnancy, Cochrane Database of Systematic Reviews 2020 (international), abgerufen am 30.09.2026. Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe SGGG: Expertenbrief Nr. 77: Diagnostik und Therapie der Eisenmangelanämie in der Schwangerschaft und postpartal, 2022, abgerufen am 30.09.2026. Schweizerische Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin SGUM: Empfehlungen zur Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft, 4. Auflage 2019, abgerufen am 30.09.2026.